Mount Kinabalu

Jetzt ist es soweit - wir wollen den höchsten Berg Süd-Ost-Asiens besteigen - den Mount Kinabalu mit einer Höhe von 4.095 Metern ! Dort erwarten uns dann Temperaturen um den Gefrierpunkt, wenn es nach einer Nacht Zwischenstation auf 3.270 Meter morgens um 3:00 Uhr zum Sonnenaufgang auf den Gipfel geht ! Zur Vorbereitung gehört die Reservierung und Bezahlung der Übernachtung im Laban Rata Resthouse auf 3.270 Meter und Einkaufen von Taschenlampen, Mützen, Extra-Sweat-Shirt´s und Handschuhen in Kota Kinabalu. Unser großes Gepäck lassen wir im Hotel und brechen nur mit Day-Pack-Rucksack morgens um 7:00 Uhr per Bus Richtung Mount Kinabalu National Park auf. Zwei Stunden (83 km) später werden wir dann auch auf 1.890 Meter Höhe von deutlich kälteren Temperaturen erwartet. Das Wetter ist wieder gegen uns und der Berg verhüllt sich in dichten Nebelschwaden. Wir wollen den Aufstieg trotzdem wagen ! Die Formalitäten sind schnell und teuer (Park-Eintritt, Kletter-Erlaubnis, Guide, Bus, Versicherung) im Park-Headquarter erledigt und schon stehen wir nach kurzer Busfahrt am Timpohon-Gate - der Startpunkt des insgesamt 8,72 km Summit-Trail, zum höchsten Punkt Süd-Ost-Asiens, dem „Low´s Peak“. Der Aufsteig bis zum Laban Rata Resthouse gelingt uns ohne Probleme innerhalb von 6 Stunden. Unterwegs passieren wir Nebelschwaden und durchqueren die Wolkendecke - der Gipfel ist aufgrund des Wetters immernoch nicht zu erkennen. Es wird zunehmend kälter und bald reicht die Bekleidung trotz Anstrengung (es geht immer steil bergauf - keine Erholungsstrecken !) nur mit T-Shirt nicht mehr aus. Wir sehen abseits des Trail´s wie sich langsam die Vegetation ändert: die Bäume werden immer kleiner und die Moos- und Farnpfanzen bestimmen das Bild. Unterwegs sehen wir auch die seltenen Kannenpflanzen, eine fleischfressende Art (Mosquito´s und andere Insekten). Der Trail geht ohne Erbarmen immer weiter bergauf und die Naturstufen bestehen aus Waldboden, Steinen, Wurzeln und Granitfelsen. Zu unserer Freude reist der Himmel am Laban Ratan Resthouse kurzzeitig auf und wir sehen die karge Granitlandschaft des Gipfels. Wir sind nach 6 Stunden und 6 km Trail schon auf 3.270 Meter ! Müde und fertig vom Aufstieg bestellen wir im Restaurant noch Fried Rice bzw. Fried Noodles und gehen um 6:30 Uhr zu Bett, um uns geistig und körperlich auf den Gipfelmarsch zum „Low´s Peak“ vorzubereiten. Unser Guide will mit uns um 3:00 Uhr morgens im Taschenlampenlicht starten, damit wir bis zum Sonnenaufgang oben sind. Vor Aufregung und wegen des doch recht „jugendherbergs“-Charakter ähnlichen Resthouses schlafen wir mehr recht als schlecht und sind schon um 2:00 Uhr morgens fit im Restaurant und warten auf unseren Guide. Im Resthouse-Restaurant waren es schon nur noch 10 Grad Celsius -  draußen weht zusätzlich noch ein sehr heftiger nebliger kalter Wind. In völliger Dunkelheit schleppen wir uns jeden Meter weiter hinauf. Die Luft wird spürbar dünner und mir fällt ab 3.800 Metern das tiefe atmen schwer - Sabine macht auch ihr Kreislauf zu schaffen. Unermüdlich schleppen wir uns weiter durch Wind, Dunkelheit und Kälte - stetig steil bergauf. Wir müssen alle 20-50 Schritte eine kleine Pause machen, um nicht umzufallen. Hier oben haben aber nicht nur wir Probleme - alle anderen Kletterer japsen genauso ! Es kommen Abschnitte wo nur noch Seile hängen, an denen man sich am blanken Granit hochziehen kann. Wegen der Dunkelheit sieht man weder Abgründe noch Klippen, aber aufgeben wollen wir auch nicht. Zum Glück stehen alle 500 Meter Hinweistafeln zur Position und geben wieder neue Motivation. Das letzte Stück oberhalb der 4.000 Meter Grenze ist am steilsten und schwersten zu bewältigen. Sabine ist schon kurz vor dem Aufgeben, quält sich aber weiter nach oben - ich mache auch immer längere Pausen, damit wir zusammenbleiben. Kurz vor dem Gipfel wird der eisige Nebelsturm immer stärker und man kann kaum die Hand vor Augen sehen. Die ersten Kletterer kommen schon vor dem Sonnenaufgang (6:08 Uhr) wieder herunter, durchgefroren und frustriert. Wenige Meter vor dem Ziel fängt Sabine an zu schwächeln und will nicht mehr weiter. Die letzten paar Meter sind dann richtiges klettern über den nassen, kalten Granitstein und dann ist er nach 3 Stunden Strapazen endlich da, der „Low´s Peak“ - höchster Punkt Süd-Ost-Asiens. Mir ist auf einmal auch nicht mehr kalt und ich habe Zeit das Ereignis auf Video zu dokumentieren. Schade das Sabine die letzten Meter nicht mehr wollte - mehr als das Schild vom Gipfel gab es bei dem Wetter jedoch auch nicht zu sehen - nur weiße kalte Nebelwand ! Nach 10 Minuten und dem nicht zu sehenden Sonnenaufgang mache ich mich dann auch auf den Rückweg - wir müssen es ja am gleichen Tag wieder bis runter zum Timpohon-Gate schaffen. Während des Abstieges wird das Wetter plötzlich besser und der Himmel ist klar mit Sonnenschein. Nur der „Low´s Peak“ liegt noch in der Nebeldecke - wir genießen eine herrliche Aussicht über weite Teile Borneo´s - bis nach Kalimantan (Indonesien). Unser Guide erklärt uns die jeweiligen Orte und läßt uns Zeit den Ausblick zu genießen. Jetzt sehen wir auch erst unsere morgendliche Strecke bergauf, die Seile, die Schluchten und Abgründe. Bei Tageslicht wären sicherlich einige wieder umgekehrt und hätten den Aufstieg abgebrochen - es schon ganz gewaltig hoch im Gebirge ! Schon während des Abstieges zum Laban Rata Resthouse merke ich: der Abstieg wird viel schlimmer ! Während bergauf primär eine Sache der Kondition ist, geht die Strecke bergab doch gewaltig auf die Gelenke und Knochen. Das Resthouse erreiche ich erst nach fast 2 Stunden und schon mit Schmerzen in den Beinen. Nach einer Stunde Pause bei heißer Schokolade wagen wir dann die weiteren 6 km bergab. Unser Guide beruhigt uns mit der Aussage, daß bergab nur 2 Stunden seien und diese einfach zu bewältigen sind. Doch es wurde noch schlimmer. Die ersten 3 km wurden wir schon von vielen anderen Kletterern im Eiltempo überholt. Während diese fast schon herunter gerannt sind, schleppten wir uns Stufe um Stufe bergab. Unterwegs kamen dann auch immer neue Kletterer den Berg hinauf und grinsten fröhlich. Wir haben auch einige Träger mit Holzbrettern und Vorräten für das Resthouse bergauf ziehen lassen - hier wird alles zu Fuß auf den Berg gebracht und dafür sind die Preise ok. Die letzten 3 km wurden dann regelrecht zur Qual. Ich bekam übelste Knieschmerzen und konnte nur noch langsamer weiter laufen. Als dann Sabine die gleichen Knieschmerzen bekam, humpelten wir wie zwei alte Greise den Trail entlang. Der Guide hat Sabine einen Gehstock aus dem Wald geholt und sie bei hohen Stufen gestützt. Ich habe versucht anderen Gehtechniken zu verwenden, aber es half nichts - jeder Schritt wurde immer schlimmer ! Wir bewegten uns im Schneckentempo bergab - es gab ja keine andere Wahl den Trail herunter zu kommen. Zwischendurch begegneten uns wieder die Träger, inzwischen auf ihrem Weg bergab und rannten der Berg hinunter. Insgesamt und unter heftigster Qualen haben wir für die angekündigte 2-Stunden Strecke mehr als 5 Stunden benötigt und konnten danach kaum noch laufen. Unten am Berg hängt ein Schild der Bestenliste im jährlichen Climbathon der Männer und Frauen. Für den kompletten Auf- und Abstieg liegt die beste Zeit bei guten 2 Stunden ! Unglaublich !!! Wir haben für die 8,72 km lange Strecke über 16 Stunden gebraucht - der Rekord von unserem Guide soll angeblich bei 5 Stunden liegen - auch das ist unglaublich !!! Auf dem Rückweg Richtung Park-Headquarter mußte ich Sabine versprechen keine weiteren Bergbesteigungen mehr zu planen - sie würde dann Badeurlaub machen. Zum Glück haben wir gerade noch den Bus zurück nach Kota Kinabalu bekommen - wir sind früh schlafen gegangen...
 

    
  Am Mount Kinabalu National Park                      Die Bestenliste                             Sieht gar nicht so schlimm aus

    
           Der erste Rastplatz                                 Der Weg nach oben                               Weg durch den Nebel

    
      Die seltene Kannenpflanze                         Sabine in Top-Stimmung                     Es geht immer weiter bergauf

    
          Der Blick nach oben                              Laban Rata Guesthouse                Am höchsten Punkt Süd-Ost-Asiens

    
   Ganz schön kalt auf 4.000 Meter                         Der South Peak                                   Blick über Borneo

    
     Der Abstieg auf Granit am Seil                  Es wird alles herauf getragen                      Sabine beim Abstieg

    
   Der Abstieg wird immer schwerer                 Endlich angekommen                     Mein Versprechen: nie wieder Berg
 
 

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